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Konstellation INTER– in 2021:
Oliver Arendt, Anne Diestelkamp, Neele Marie Denker, Rike Dröscher, Maryna Makarenko, Philipp Christoph Mayer, Sabrina Podemski, Paulina Seyfried, Julian Westermann

Save the Date:

Wie wollen wir in Zukunft arbeiten?
Podiumsdiskussion über Kollaboration in der Institution
Sonntag, 16. Mai 2021, 14 Uhr

Mit Juliane Schickedanz und Anna Jehle (Direktorinnen der Kunsthalle Osnabrück)
Sina-Marie Schneller (Cheers for Fears)

Wie lassen sich institutionelle Strukturen aufbrechen und wie können wir selbst dazu beitragen? Wie können wir mehr Raum für Solidarität und offenere Strukturen in Kulturinstitutionen schaffen? Diese Fragen stellen wir uns am Sonntag, den 16. Mai 2021 im Gespräch mit dem Direktorinnenduo der Kunsthalle Osnabrück Juliane Schickedanz und Anna Jehle sowie mit Sina Schneller von Cheers for Fears. Die Podiumsdiskussion findet um 14 Uhr auf ZOOM statt.

Die Plätze sind begrenzt. Anmeldungen an: mail@inter.exposed


Einführungstext

Als Netzwerkinitiative erproben wir neue Arbeitsmodelle in der Ausstellungspraxis. Dabei agieren wir stets unter dem spezifischen Begriff der Kollaboration als Form des gemeinschaftlichen Arbeitens. Wir wollen Raum schaffen für die Verbindung theoretischer, wissenschaftlicher und medienübergreifender Positionen in einer ensembleähnlichen, kollaborativen Praxis. Ein interdisziplinärer Austausch und die Erprobung neuer Arbeitsweisen und Realitäten in der Kunstwelt sind unsere Hauptabsichten. Die Betitelung INTER– benennt die konzeptuelle Ausrichtung des Projektes, welches sich zwischen den Disziplinen, zwischen Wissenschaft und Kunst sowie zwischen verschiedenen Standorten bewegt.

Aktuell arbeiten wir an einer Ausstellung, die im September im Museum Ulm eröffnen wird. Das Ausstellungsprojekt findet in Kooperation mit nextmuseum.io statt, eine Initiative des Museum Ulm und NRW-Forum/Kunstpalast Düsseldorf, die sich für mehr Demokratie im Kunstbetrieb einsetzt. Auf dem Weg zur Ausstellung treten wir mit unterschiedlichen Akteur*innen in den Kontakt, um uns über Strategien für kollaborative Arbeitsansätze in und jenseits der Institution auseinanderzusetzen.

Gedanken zum Kollektiven Arbeiten

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Gedanken zum Kollektiven Arbeiten

Das Phänomen der Künstler*innengruppe ist kein neues. Immer wieder gab es in unserer Kulturgeschichte Beispiele gemeinschaftlichen Arbeitens, bei denen die Idee vom einzelnen Künstlergenie in den Hintergrund rückte und individuelle Autorschaft hinterfragt wurde. Die kollektive Produktion in der Kunst steht oft mit dem Versuch in Verbindung, gesellschaftliche Strukturen und Verhältnisse zu etablieren, bei denen Gleichheit, Freiheit und Selbstverantwortung im Vordergrund stehen, im Gegensatz zu konkurrenzhaften und hierarchischen Denk- und Handlungsweisen. Oft fungiert das Kollektiv als programmatische Plattform, die sich dem Kunstmarkt widersetzt oder sich als entschieden politische Lebensform versteht. Manchmal ist das Kollektiv auch Wegweiser und Hilfestellung zur Selbsteinordnung, denn über Diskussion und Austausch mit anderen lassen sich unterschiedliche Äußerungsmöglichkeiten erproben. Klar ist, dass die kollektive Produktion immer im Kontext ihrer Zeit und den gesellschaftlichen Gegebenheiten zu betrachten ist.

Bereits im 19. Jahrhundert ließen sich Versuche beobachten, den sozialen Nachteilen des künstlerischen Einzelgängertums eigeninitiativ entgegen zu wirken. Oft werden die Nazarener in Rom als die erste moderne Künstler-Gemeinschaft genannt. Unzufrieden mit den erstarrten Ausbildungsriten der Wiener Kunstakademie, machte sich 1810 eine Gruppe Kunststudenten auf in die ewige Stadt, um die deutsche Kunst durch die Annäherung an den italienischen Geist zu erneuern. Spätere Beispiele sind die vielen Künstler*innenkolonien an der Wende des 19. zum 20. Jahrhunderts (die im Kontext von Bewegungen der Lebensreform entstanden und im Sinne eines Gesamtkunstwerks, alle Aspekte sozialen Lebens zu verändern suchten), avantgardistische Gruppierungen wie CoBrA (deren Name sich aus den Anfangsbuchstaben der Städtenamen Copenhagen, Brüssel und Amsterdam zusammensetzt), deren Mitglieder nach dem Zweiten Weltkrieg länderübergreifende Verständigung und Zusammenarbeit propagierten oder feministische Künstlerinnenkollektive wie DIE DAMEN (gegründet 1987 von ONA B, Evelyne Egerer, Birgit Jürgenssen und Ingeborg Strobl), die sich im Sinne einer Komplizinnenschaft dem System des patriarchalen Kunstbetriebes sowie der Fetischisierung von „genialen“, vorrangig von Männern geschaffenen, Kunstwaren widersetzten und mit ihrer Kunst gängige Rollenklischees in Frage stellten.

Dass sich Teamgedanke nicht nur im künstlerisch-produktiven, sondern im Kulturbereich im Allgemeinen findet, zeigt sich vor allem in den letzten Jahren vermehrt. Die Berlinale hat eine Doppelspitze, im Theater sind Kollektive schon länger präsent, auch das Kuratieren von Ausstellungen wird immer öfter im Kollektiv vollzogen. Aktuelle Beispiele sind das vierköpfige Kuratorinnen-Team der letzten Berlin Biennale und die aus Indonesien stammende Gruppe ruangrupa, die mit einem Kernteam von zehn Leuten die kommende documenta (2022) in Kassel gestalten wird. Ähnlich wie bei der Berlin Biennale, bei der das Kuratorinnen-Team den Fokus auf interdisziplinäres Arbeiten legte, lokale Initiativen und Orte der Stadt mit einbezog oder Workshops veranstaltete, zu denen jede/r willkommen war, stehen auch ruangrupa für einen integrativen, nachhaltigen und auf menschliche Nähe bedachten Austausch. Ihre Projekte sollen auch Leute ansprechen, die sich im Alltag nicht für Kunst interessieren.
All dies sind Aspekte, die auch das Herz von CCCCCOMA bilden, daher begrüße ich diese Entwicklungen und Herangehensweisen sehr. CCCCCOMA steht für Curatorial Collective Connecting Concepts of Communication and Art und ist eine kuratorische Plattform für zeitgenössische Kunst. Das Kollektiv besteht aus Theoretikerinnen und Künstlerinnen. Gemeinsam erforschen und entwickeln wir nomadische Ausstellungsformate, die sich mit den (Un-)Möglichkeiten von Kommunikation in unserer Zeit auseinandersetzen.

Ausgehend von einer Diskrepanz zwischen globaler Vernetzung und zunehmender Einsamkeit des Individuums im Großstadtdschungel sucht CCCCCOMA nach Momenten direkter Kommunikation und des intimen Austauschs. Unter anderem werden dabei Themen wie der demografische Wandel als auch die Gentrifizierung und ihre korrelierenden Optionen berücksichtigt. Als gemeinnütziger Verein sucht CCCCCOMA den Kontakt zu Künstlerinnen, Kuratorinnen und Wissenschaftler*innen und zu Institutionen und Initiativen, um eine beständige Plattform zur Förderung, Entwicklung und Präsenz von zeitgenössischer Kunst über örtliche, inhaltliche und mediale Grenzen hinweg aufzubauen.

Wir intervenieren in Form von Kollaborationen primär an kunstfremden Orten, um mit den Akteurinnen vor Ort und eingeladenen Künstlerinnen gemeinsam Projekte zu entwickeln und umzusetzen. Am Ende steht das Ziel, Menschen aus unterschiedlichen Bereichen zusammenzubringen, Berührungsängste zur zeitgenössischen Kunst abzubauen und einen nachhaltigen Dialog zwischen bereits bestehenden urbanen und sozialen Strukturen, künstlerischen Positionen und dem Publikum zu generieren.

In dieser Hinsicht haben wir als kuratorische Gruppe also ähnliche Bestrebungen wie die Teams der 11. Berlin Biennale und der kommenden documenta. Um die Gründe für den erneuten Trend dieser kollektiven Herangehensweisen zu analysieren ist es vielleicht noch zu früh, eine große Rolle spielen sicherlich Digitalisierung, Globalisierung, eine zunehmend unübersichtlich erscheinende Welt und vielleicht auch die Angst vor der damit einhergehenden Gefahr der Vereinsamung. Gemeinsam sind wir stärker und ergänzen uns. Darüber hinaus gründen sich Kollektive ja meist nicht primär, weil sie ein wirtschaftliches Interesse verfolgen, sondern ein Herzensanliegen haben. Begriffe, die in dem Zusammenhang immer wieder fallen, sind Freiheit, Vertrauen, Verantwortung, Konsens, Beziehung, Austausch, Solidarität und Demokratie. Und am Ende sicherlich auch einfach der Wunsch nach einem guten Leben.


Linda Peitz ist freie Kuratorin und Autorin. Sie hat Sprachen und Literatur in Köln und Paris studiert. Nach medienjournalistischen und fotografischen Weiterbildungen war sie im Anschluss mehrere Jahre als Redakteurin für das Monopol Magazin tätig und hat für unterschiedliche Künstlerstudios in Berlin gearbeitet. Seit 2019 organisiert sie freiberuflich Ausstellungen, schreibt Texte und hat die kuratorische Plattform CCCCCOMA e.V. ins Leben gerufen.

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Schloss Ringenberg

INTER– auf Schloss Ringenberg

Im Mai 2021 haben wir die große Freude, für eine Woche auf Schloss Ringenberg in Hamminkeln (Nordrhein-Westfalen) gemeinsam arbeiten zu können.
Diese Arbeitswoche ermöglicht es uns, einen Zwischenstand in Form von einer Dokumentation und digitalen Veranstaltungen festzuhalten und bildet zudem einen zentralen Meilenstein in unserer kollaborativen Produktionsphase für die Ausstellung im Museum Ulm im September. Als Ensemble werden wir eine Woche lang füreinander Workshops veranstalten, Forschungs- und Arbeitsmethoden teilen und erste Werke skizzieren und diskutieren.

Gleichzeitig wird es um eine vertiefende Beschäftigung mit institutionellen Strukturen und Aufgabenverteilung im Kulturbetrieb gehen und um Fragen der Ausdehnung.
Im Zentrum der Woche stehen einmal mehr die gemeinschaftliche, unkonventionelle Wissensproduktion und Erkenntnisgenerierung, die sich aus dem Austausch verschiedenster Akteur*innen speist.

Am Ende der Woche laden wir Interessierte zu einem Podiumsgespräch mit den Direktorinnen der Kunsthalle Osnabrück, Juliane Schickedanz und Anna Jehle, sowie Sina-Marie Schneller von Cheers for Fears e.V. ein.

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Technowalk

Kleine Humboldt Galerie – Ein Studentisches Kurator*innenkollektiv

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Kleine Humboldt Galerie – Ein Studentisches Kurator*innenkollektiv

youtu.be/1Tdbeu3GEaQ

Die Kleine Humboldt Galerie (KHG) ist ein studentisches Projekt, das jährlich bis zu zwei Ausstellungen zeitgenössischer Kunst realisiert. Die Initiative blickt auf eine Jahrzehnte umfassende Geschichte zurück, und erfindet sich andererseits jedes Jahr neu.

Als ein Kollektiv, das in seiner Zusammenstellung fluktuiert, und mal nach einem abgeschlossenen Projekt oder zum Semesterstart seine Arme für neue Mitglieder öffnet, befindet sich die Gruppe in ständiger Bewegung. Zusammengehalten von der Idee der KHG als einem Ort des Ausprobierens, einer Struktur innerhalb derer mensch immensen Spielraum hat, haben sich über die letzten zehn Jahre nach und nach unterschiedliche Teamkonstellationen gefunden. Jede Gruppe hatte das Konzept des kuratorischen Kollektivs anders interpretiert, und doch hat sich dabei stets das Profil der KHG als ein Raum des Experimentierens und des Miteinander Wachsen und Lernens gehalten.

Die KHG ist in ihren Inhalten komplett selbstbestimmt und kein universitäres Organ, trotz dessen ist das studentische Projekt an die Humboldt-Universität zu Berlin angeschlossen, bekommt bei Bedarf persönliche Unterstützung und profitiert von den Räumlichkeiten der Universität, die als Ausstellungsorte genutzt werden. Diese Kollaboration erlaubt es, Ausstellungen nomadisch von Jahr zu Jahr über das Universitätsgelände wandern zu lassen.

Aktuelle Projekte

Der Hauptfokus des letzten Jahres ist ​zwischen körpern, ​ein Projekt das künstlerische Positionen zu Körperpolitiken versammelt, sich dabei Fleischlichkeit und Technologie, Virtualität und zwischenmenschlicher Intimität widmet. Elf Künstler*innen zeigen uns in ihren vielfältigen Werken die materiellen sowie die konstruierten Dimensionen von Körpern auf.

Die Realisierung des Ausstellungsprojekts ​zwischen körpern ​wurde durch die coronabedingten Maßnahmen dieses Jahr zunächst verzögert und ab einem bestimmten Zeitpunkt leider physisch nicht realisierbar. Deshalb hat sich das aktuelle Team dazu entschieden, das Ergebnis der kollektiven Arbeit in Form eines Buchs zu publizieren, das die Konzepte ​Ausstellung ​und Publikation neu denkt und innovativ miteinander verbinden will, ohne in ein tradiertes Katalogformat zurückzufallen. Die voraussichtliche Veröffentlichung am
19.03.2021 wird von einem interaktivem Rahmenprogramm begleitet, das für den virtuellen Raum geplant ist. Für diese Publikation kollaboriert die KHG mit dem K. Verlag. Das in Berlin ansässige Verlagshaus, das auf experimentelle Buchformate und Kunstkataloge spezialisiert ist, hilft immens bei der Weiterentwicklung einer Ausstellung in Buchform und begleitet bei der grafischen Umsetzung.

In der Zwischenzeit wurde über die Sommermonate KONTINUUM ins Leben gerufen. Die über vier Monate kontinuierlich wachsende Website wurde zu einer Plattform verschiedener künstlerischer Positionen, die sich mit Isolation, Pandemie und Digitalisierung auseinandersetzen. Ob Fotografien und Performances, Workshops oder virtuelle Lesekreise – Einzelpersonen und Kollektive belebten KONTINUUM und machten es zu einem vielstimmigen Projekt, das Menschen auf mehreren Kontinenten zusammenbrachte und mit Kreativität und Einfühlsamkeit auf diese globale Krise antwortete. Die Plattform wurde dezidiert offen gehalten und ist ohne starke kuratorische Eingriffe gewachsen; so wurden unter anderem zwei Open Calls ausgeschrieben. Zum Ende des Projekts blickt die KHG auf 39 spannende Beiträge und Zusammenarbeiten zurück.

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Trim the Fat

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Trim the Fat!

Dieser Text ist ein Auszug aus der Ausstellung “Trim the Fat!” im Neuen Kunstverein Gießen:

Den Titel empfahl mir ein Freund, ein Ökonom. TRIM THE FAT!

Mit dieser Managementmethode zur Effizienzsteigerung nicht vertraut, trat mir das Bild eines Hans Wurst vor meine Augen: Herr Wurst, ein tölpelhafter, unbeholfener Dickwanst – ein Klischee, das Größe bzw. Gewicht mit Unbeweglichkeit, Lethargie und Stumpfsinn gleichsetzt. Der Gegenentwurf zum lächerlichen Fettwanst, der sich wollüstig fleischlichen Genüssen hingibt, nichts leistet und vorzeitig qualvoll an seinen Lastern zu Grunde geht, findet sich im schlanken Menschen, im schlanken Unternehmen, im schlanken Staat – zu dem sich die politische Führungsriege keine Alternativen vorstellen kann („There is no alternative“ – Magret Thatcher).

Schlank, in der Herleitung des Wortes bedeutet mager, biegsam, schlankweg (ohne Umschweife); ja, auch den jungen, frechen und gewieften Schlingel findet man in dieser (Wort-)Familie.
Die alte Warnung und Ermahnung zur Askese ist also einprogrammiert in unsere Köpfe, ist in religiösen und profanen Ratgebern und spiegelt sich selbstverständlich auch im modernen Medium des Internets: Hüftgold, als Indikator des Wohlstands, ist nicht nur unattraktiv, in anderen Worten nicht verführerisch bzw. gar abstoßend, sondern auch eine Bedrohung für Leib und Leben, Herz und Hirn!

Unumstößlich und unveränderbar seit Jahrhunderten ist die Formel für ein gesundes, erfolgreiches und langes Leben von Individuum, Unternehmen und der Wirtschaft des Staates im Allgemeinen: Abspecken mit Enthaltsamkeit, Disziplin, Selbstkontrolle und durch Kontrollinstanzen von außen vorgeschrieben. FDH als Exorzismus, als Methode zur Austreibung von Krankheit und zur Abwehr des Bösen im Allgemeinen. Die Vorgehensweise bei TRIM THE FAT! ist Beschneiden, Abschneiden; kürzen, reduzieren, verkleinern, kupieren: etwas Stutzen, um den Krankheitsprozeß aufzuhalten; – kupieren von frz. couper: abschneiden – die Spitze abschlagen; auch schlagen: Coup d’État (der Staatstreich); den Ballast (der Vergangenheit) abstreifen, um in die Zukunft sprinten zu können.

So schafft das scheinbar unabänderlich naturgewollte, gottgegebene Gesetz der Survival of the Fittest neue Menschen und neue Unternehmen: Flexibel (rasche Anpassung an Marktveränderung), schlank (Korrekturen im Preis), innovativ (neuester, technischer Stand), engagiert (Maximum an Qualität und Service); flexibel, reaktionsschnell, wettbewerbsfähig, innovativ, effizient, kundenorientiert, profitabel – wer nicht mithalten kann, hat bereits verloren.

KünstlerInnen und Kunstinstitutionen vorweg! Laut BBK zahlen 90% der in Deutschland lebenden KünstlerInnen dafür, um künstlerisch arbeiten zu dürfen. Ist die künstlerische Avantgarde dem übrigen Arbeitsmarkt eine Nasenlänge voraus? Findet sich hier wieder einmal ein Modell für die Zukunft? Die prekären Existenzen der Gig-Economy, von der UberfaherIn zur DeliveroomitarbeiterIn, können in den Kanon unserer Zeit „Ich zahle dafür, dass ich arbeiten darf“ einstimmen. Arbeit auf eigenes Risiko und mit aus persönlichen Mitteln bereitgestelltem Arbeitsmaterial (Auto, Benzin, Versicherungen, Handy, Internet usw.) ein Überleben mit Minimalsthonoraren, digitale TagelöhnerInnen – eine Arbeitsform, die für das Jahr 2023 auf 52% aller Arbeitsplätze in den USA prognostiziert wird.

Im Hinblick auf meine Materialermüdung und Materialbelastungsstests sei noch kurz auf eine Entwicklung des globalen Humankapitals hingewiesen: 2019, das Jahr in dem Burn-out als Krankheit von der WHO anerkannt wurde: “Burn-out is a syndrome conceptualized as resulting from chronic workplace stress that has not been successfully managed. It is characterized by three dimensions: feelings of energy depletion or exhaustion; increased mental distance from one’s job, or feelings of negativism or cynicism related to one’s job; and reduced professional efficacy.“ (https://www.who.int/mental_health/evidence/burn-out/en/)
Da geht doch noch was, oder?

Für diesen Text habe ich verschiedenste Wirtschaftswissenschafts- und Managerbücher aus meiner nächstgelegenen Bücherstele in der ehemaligen Siedlung für Bundesbankmitarbeiter in der Finanzmetropole Frankfurt gefischt. Anschließend habe ich die darin enthaltenen Konzepte überbrüht, weichgeklopft, haschiert und auf meinem etymologischen Wörterbuch gegrillt. Kaloriengehalt und Nährwert ohne Gewähr.


Line Krom übersetzt ökonomische Konzepte ins Visuelle. Sie thematisiert, wie Sparmassnahmen und Effizienzsteigerung aussehen und welchen Einfluss Managemententscheidungen auf das Material haben. Parallel zu ihrer künstlerischen Tätigkeit verfolgt Krom eine kuratorische Praxis, die Projektplanung und Ausführung (Ausstellungen, Veranstaltungen, Publikationen), Forschung und Textproduktion und Kunstvermittlung umfasst. Gegenwärtig arbeitet sie am Institut für Kunstpädagogik der Goethe Universität in Frankfurt mit dem Schwerpunkt außerschulische Kunstvermittlung: Mediation von Sammlungen und Ausstellungen in Theorie und Praxis. Zuvor unterrichtete sie im Fachbereich Gesellschaftswissenschaften und Soziale Arbeit an der Fachhochschule Darmstadt. Ihr Interesse galt der inklusiven Kunsteinrichtung in Theorie und Praxis mit dem Fokus auf Dekonstruktion von Hierarchien in Kunsteinrichtungen, um Schnittstellen zwischen Kunst und Sozialer Arbeit zu entwickeln. Line Krom lebt und arbeitet in Frankfurt am Main.

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Think Tank Februar Düsseldorf

A Multiplicities Glossary

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A Multiplicities Glossary

A Multiplicities Glossary. Collaborating on Landscapes, Technoid Natures, and Symbioses

To collaborate on anything is to confront the fact that words mean different things to different people. Language is not natural or neutral; terms have a history, terms reflect hierarchy and power. This has been an urgent problem for collaborative work in the arts, in activism, in research. The German word Deutungshoheit (“interpretive dominance”) points at this predicament. It proposes a territorial approach to language itself; language is revealed to be a site of hierarchical power relations, a contest in which some perspectives dominate and others are obscured or repressed. But what if we don’t want to compromise the diversity of language? What happens when we acknowledge that every definition is also a reduction? We want deterritorialized terms: we want the various, the multiple, and the diverse to be the marrow of collaboration. So how can we conceptualize collaborative work on the basis of appreciating these differences?

As the editors of a publication series that relies heavily on collaboration, this question has become increasingly important for us. In our research, the definition of words holds a significant authority, which directly or indirectly affects all contributions. The problem renders itself as an asymmetrical proportion of authority through authorship. How do we deal with a situation where an emerging media artist from India, a white German designer, and a Black trans DJane from the USA all work on ‘landscapes’? For us, as editors, this is not just a question of avoiding confusion. It is a question of establishing fair and equitable agency regarding definition and terminology, and of dismantling exclusion. Through the lens of multiplicity, we can better observe this predicament and ourselves in it, and we can conceptualize and formulate a response, or rather a collaborative multitude of responses.

Multiplicity is a refrain in the geophilosophy developed by Gilles Deleuze and Félix Guattari, well-known for their conceptualization of non-hierarchically distributed networks as a rhizome. Conceptually related to the rhizome, multiplicity offers a way out of the idealist assumption that every being reflects a certain ideal form. [2] Deleuze and Guattari position themselves against idealism’s enforced unity and they resist the reduction of beings to mere individuals. To us, multiplicity offers a versatile tool or orientation to navigate collaborative thoughts and work.

href zine is driven by a wide variety of voices, positions, and perspectives. Each issue contains contributions from artists, activists, researchers, writers, models, and many others; the contributions take the form of essays, renderings, drum ’n bass sets, screenshots, playlists, photographs, installations, and more. While we as designers and editors create a common ground in the form of a written introduction, the contributions are not meant to „fit in“. The differences make the zine interesting. As editors, we might initialize the publication as a process, but only a few entries in, the editors’ position has already turned into a bulky body of thoughts, work, images, and words.

Taking the approach of assembling instead of unifying is inherent to a collaborative format. We call it a ‘Multiplicities Glossary.’ Each issue announces three topics: this second issue discusses landscapes, technoid natures, and symbioses. These terms remain dominant and present throughout the whole zine. In order to distribute authority/authorship, we invited each contributor to define these terms from their own perspectives––an approach that resonates with Deleuze/Guattari’s multiplicity concept.
(Quantitative and Qualitative) Multiplicity

Multiplicity is part of Deleuze/Guattari’s broader departure from the traditions of Platonism. Against idealism’s false unities, they pose, in effect, two kinds of difference: “quantitative” and “qualitative” multiplicity. Quantitative multiplicity names differences of degree, juxtaposition, and a certain order. Qualitative multiplicity refers to differences in kind, fusion, and organization. These two multiplicities are themselves always entangled. Each describes a perspective, ‘true’ in its own way, just as reality can be described through both science (quantitative multiplicity) and poetry (qualitative multiplicity). [3]

How does the glossary change when it is built around considerations of multiplicity?

The traditional glossary offers a list of related words in alphabetical order, along with brief explanations. A “Multiplicities Glossary” gathers the knowledges of multiple contributors about each term. Instead of reducing these knowledges to a flattened unity—one definition of ‘landscape’, for example—this alternative glossary boasts a wide-ranging, fuzzy blob of differences. Instead of one static landscape, we find a range of possible landscapes: landscapes “swinging between the natural and cultural”, “the landscape as lack”, technoid landscapes, “landscape as time and place”, a screenshot landscape, “matter of coexistence”, “different geological processes”, “mixtures”. [4]

Sources

[1] Gilles Deleuze, Félix Guattari: A Thousand Plateaus. Capitalism and Schizophrenia. (1987) University of Minnesota Press, Minneapolis, London. pg. 32

[2] Edward Thornton: Two’s a crowd. Published in: Aeon. (2018) Online accessible via: https://aeon.co/essays/a-creative-multiplicity-the-philosophy-of-deleuze-and-guattari [Last accessed on 15.12.2020.]

[3] Nicholas Tampio: Multiplicity. In: Encyclopedia of Political Theory (2010) Online accessible via: https://faculty.fordham.edu/tampio/Tampio%20-%20Multiplicity.pdf [Last accessed on 15.12.2020]

[4] A Multiplicities Glossary. In: href zine – Landscapes, Technoid Natures, Symbioses (2020) Online accessible via: https://href-zine.net/technoid-natures.html [Last accessed on 15.12.2020]

Contributors A Multiplicities Glossary

Anaïs Nishe
Anna Tokareva
Cássia Vila
Charlotte Rohde
Diann Bauer
Digital&Dead (interviewed by Wade Wallerstein)
Fara Peluso
Galen Tiptonİpek Burçak
Iulia Radu
Jordana LeSesne
Julian-Anthony Hespenheide
Leila Kiraz
Léna Lewis-King
Luz Ferrari
Marc-André Weibezahn
Mariana Basso & Luiz Zanotello
Nicolò Cervello
Nitish Arora
Raquel Villa
Shorouk El-Zeftawy
Victor Artiga Rodrìguez


Lotta Stöver is an emerging artist/designer and student of Digital Media at the University of the Arts, Bremen. Her works are informed by new media, technologies, research, and simulations. Driven by a strong interest in the intersections and interdependencies of all phenomena and matters aligning, disobeying, transforming, and mutating along with (new) techno-*-logies, her works take the form of installations, electronics, and publications.

Nathalie Gebert works in the fields of new media, art and feminist theory. Her work revolves around installations and research on the relationships between technologies, non-human life and techno-feminism. Using experimental methods to reinvent ways of inter- and intraspecific communication, she explores the individual properties, history and potential of materials.

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Glasmetapher

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Glasmetapher


Manuela Mehrwald (1991) ist eine polnisch_deutsche Kunstwissenschaftlerin mit Sitz in Köln, Deutschland. Während ihrer Masterthesis an der Universität zu Köln zum Thema „ZERO – DIS. Kollektivität als kuratorischer Ansatz“ arbeitete sie als Kunsthistorikerin für Prof. Heinz Mack. In Zusammenarbeit mit der Kuratorin Lisa Long vertiefte sie in der JULIA STOSCHEK COLLECTION in Düsseldorf/Berlin ihre Forschungen im Bereich der Critical Curatorial Studies mit dem Schwerpunkt auf feministische Theorien sowie Kollektivität aus einer prozessorientierten und transdisziplinären Perspektive. Kürzlich begann sie ihre Promotion an der Universität Duisburg-Essen bei Prof. Dr. Birgit Mersmann mit dem Titel „Plurale Kuratorinnenschaft – Kuratieren als konnektive Praxis“. Seit 2015 arbeitete Manuela Mehrwald als kunstvermittelnde und kuratorische Akteurin in verschiedenen Off Spaces und Institutionen in Deutschland und Polen; darunter KiT-Kunst im Tunnel, in Düsseldorf, das Museum Ludwig in Köln und die Zachęta in Warschau.

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Co Prinzip

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Co Prinzip

In unserem Projekt zwie prinzip zeichnen wir gemeinsam und treten dabei in einen bildlichen und nonverbalen Austausch. Dabei entstehen Werke doppelter Autorenschaft, die im Prozess der Kommunikation ein Eigenleben zwischen uns beiden entwickeln. Das Kunstwerk als Fingerabdruck eines allein agierenden Genies ist in vielerlei Hinsicht ein überholtes Konzept. Und dennoch kostet die Überwindung der Vorstellung Mut, die eigene Position durch eine andere befragen zu lassen, ja sogar direkt in sie einzugreifen zu lassen. So entstehen Momente des Schluckens, wenn plötzlich die liebste Stelle im Blatt sich verändert oder einem die vermeintliche Position der anderen allzu dominant vorkommt. Im Gespräch mit Betrachtenden unserer Arbeiten werden wir oft gefragt: Was im Bild ist nun die eine und wo im Bild ist die andere? Wir wollen diese Zuordnung nicht treffen und dennoch spielt sie für uns beide beim Zeichnen eine Rolle. Wir lernen immer weiter, was es bedeuten kann, zu ko-mmunizieren.

Diesen Überlegungen widmen wir uns in unserer zeichnerischen Kollaboration zwie prinzip seit 2018. Wir experimentieren dabei mit verschiedenen zeitlichen Rhythmen in denen wir miteinander zeichnen, jeweils in Abwesenheit der anderen. Unsere einzige Regel lautet: Über das Blattgeschehen wird nicht gesprochen. Jegliche Mitteilung muss in der Zeichnung zum Ausdruck kommen. Innerhalb unseres Austausches offenbaren sich Gemeinsamkeiten und Differenzen, welche das Potenzial zur Entwicklung neuer, gemeinschaftlicher Vokabeln haben. Gemeinsam ist uns die Zeichnung als eine der intimsten Formen künstlerischen Ausdrucks, die sowohl das Potenzial zur Selbstbeobachtung wie auch der Selbstdistanzierung birgt. Gerade der bisweilen stille Fokus der Zeichnung auf das Individuum, seinen Strich, seine Notationen oder das Nachzeichnen seiner Gedanken wird in unserem Projekt konterkariert und irritiert. Gleichzeitig trägt uns die Freude an der Zusammenarbeit, die sich durch gegenseitiges Vertrauen, Verlässlichkeit und Humor auszeichnet, weiter voran.

Co Prinzip/ 6 Zeichnungen 70cm x 100cm / 2020, Copyright: zwie prinzip
Co Prinzip/ 6 Zeichnungen 70cm x 100cm / 2020, Copyright: zwie prinzip
Co Prinzip/ 6 Zeichnungen 70cm x 100cm / 2020, Copyright: zwie prinzip

Louisa Engel und Teresa Weißert lernten sich 2016 im Rahmen ihres Studiums an der Kunsthochschule Burg Giebichenstein in Halle kennen. Die Faszination und Freude am Zeichnen sowie gemeinsame Gespräche über Theorie und künstlerische Praxis führten im Sommer 2018 zur Gründung des kollaborativen Projektes zwie prinzip. In verschiedenen Ausstellungsprojekten stellten sie den zeichnerische Dialog seitdem in einen offenen, manchmal auch performativen, Austausch mit Ausstellungsbesucher:innen.

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Die Suche nach den Dingen

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Die Suche nach den Dingen

Die Installation DIE SUCHE NACH DEN DINGEN ist für den Dom in Münster entworfen und kontextualisiert sich in dessen Architektur und der damit verbundenen Liturgie. Sie verwendet Licht, welches einen symbo- lisch aufgeladenen Bestandteil der Kirche darstellt und ist an einer spannungsreichen Stelle verortet – dem Gewölbeabschlussstein über dem Westwerk.

Nach dem Krieg wurde das Westwerk, an dem sich ursprünglich der Eingang zum Kirchenraum befand, als Hochaltar neu aufgebaut. Hier liegt nun in einer Achse der Schlussstein W35 in einer Achse über der Krypa wo die Bischhöfe begraben sind. Hier findet heutzutage das Abendgebet statt, bei dem Leihen ihre Fürbitten vortragen. Der Gewölbeabschlussstein vereint sowohl profane als auch sakrale Komponente: in architektoni- scher Hinsicht ist er ein besonderes Element indem er das Gewölbe vollendet und es zum tragen bringt. Dar- über hinaus übernimmt er verschiedene liturgische Aufgaben und ist von hoher idiologischer Bedeutung.
Eine Maschine wird von oben auf den Schlussstein befestigt. Sie bewegt einen grellen Leuchtstab vom Inneren des Dachstuhls durch ein vorhandenes Loch im Gewölbeabschlussstein in den Innenraum der Kirche. Der tageslichtweiße Leuchtstab steht im Kontrast zum warmweißen Beleuchtungskonzept des Doms. In einer sehr langsamen Bewegung dringt der Leuchtstab innerhalb von 15 Minuten um 2 Meter in den Kirchenraum ein und braucht erneut 15 Minuten um wieder vollständig zu verschwinden. Während des Abendgebetes, also dem Moment an dem den Leihen der größte Fokus gilt erzeugt es dabei einen irritierender Moment: Das Licht verschwindet in einem nicht einsehbaren (Über-)Raum.

*Für dieses Projekt beschäftigte ich mich mit den unsichtbaren Zwischenräumen der Kirche. Bei einer Ortsbesichtigung mit einer größeren Gruppe stieß ich leider nicht auf so einen Ort. Mir wurde klar, dass niemand den architektonischen Raum besser kennt, als der Hausmeister. Ich kam also immer wieder dorthin und sprach mit ihm über die Räume und seinen Alltag darin. Nach einigen Treffen offenbarte er mir (neben einer riesigen Lüftungsanlage), dass es Treppen innerhalb der dicken Kirchenmauern gibt, über welche man in den Dachstuhl gelange. Neben dem gesuchten Zwischenraum fand ich hier Relikte von Pausen––einen Stuhl oder Zigarettenstummel. Mir wurde klar, dass ich einen privaten Ort betreten hatte. Ich stellte mir vor, wie der Hausmeister ruhesuchend zwischen den riesigen Gewölbeoberseiten verschwindet und im Konglomerat des Doms unsichtbar wird.

Die Funktion der Maschine existierte noch nicht––zusammen mit einem Programmierer musste ich diese erfinden und bauen. Sein Wissen von Programmierung ergänzte sich mit meiner handwerklichen Fähigkeit zum Bauen. Wir führten viele Gespräche um die Denkstrukturen des Anderen zu verstehen und darauf aufbauend möglichst genau die Maschine zu bauen––am Ende erhielt die Maschine sogar ein TÜV-Zertifikat.


Nach einem Studium der Architektur nahm Moritz Riesenbeck ( geboren 1991) das Studium der Freien Kunst auf. Derzeit studiert er an der Kunstakademie Düsseldorf in der Klasse von Gregor Schneider. Riesenbeck schafft ortsbezogene Interventionen, für die er interdisziplinär arbeitet und auf verschiedene Medien zurückgreift. Seine Aufmerksamkeit gilt der Spezifität dieser Orte und deren physischer, sozialer und politischer Vernetzung.

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"meet up" – artwork meets person

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"meet up" – artwork meets person

Anouk (10) und Saskia vor Raymond Duchamp-Villon, Le Cheval Majeur, Musée des Beaux Art des Nancy, August 2020

Im März startete meine Instagramreihe „Meet Up“. Während des Lockdowns schickte ich ein Kunstwerk und drei Fragen an Freunde und Bekannte. Als Antwort bekam ich Sprachnachrichten, die ich dann in kurze IGTV-Videos verbaute. Die Fragen zielen auf eine individuelle Interpretation des Kunstwerks ab und lassen den Zuschauerinnen wiederum Platz für eigene Interpretationen. Die sprechende Personen sind keine Expertinnen und ermöglichen durch ihre persönliche Ausdrucksweise eine Vermittlung auf Augenhöhe. Die Videos sind eine Ergänzung zu meiner Vermittlungsarbeit in Museen und Ausstellungen.

Alvaro (34) und Saskia im Gespräch vor Victor Prouvé, L’ile Heureuse, Musée des Beaux Art des Nancy, August 2020

arcs audio gestaltet Audioguides gemeinsam mit Besucher*innen. Hier sprechen Kinder, Jugendliche und Erwachsene über Kunstwerke. Saskia Riedel verfolgt den Ansatz einer Vermittlung von Kunst ohne Hemmschwelle und eine wertschätzende Haltung gegenüber den Gedanken und Ideen, die Menschen in ein Museum bringen können.

Saskia Riedel ist Kuratorin und Kunstvermittlerin und die Gründerin von arcs audio. Sie lebt in Saarbrücken und arbeitet mit Museen in Deutschland, Frankreich und Luxemburg.

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Parallel

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Parallel

Parallel ist eine Multimedia-Installation, die dasselbe Szenario in verschiedenen Zeiten und Räumen zeigt. Es handelt sich um einen Raum zwischen Wissenschaft und Fiktion, der vom Betrachter gefüllt werden kann. Ein (physischer) Raum, in dem sich Gegenstände des täglichen Lebens (Essstäbchen), entfremdete Objekte (Schimmelpilze aus Silikon), organische (Agar-Agar-Gelatine) und anorganische (Schuppen), lebende (Hefe) und nicht lebende (medizinische Instrumente aus Kunststoff) Materie zu einer Fiktion verbinden.

Parallel ist inspiriert vom metabolischen Prozess der Gärung, auch bekannt als anaerobe Atmung. Maria Capello verbindet Forschung auf intellektueller und materieller Ebene, um eine Installation und Kommunikationsraum zu schaffen, die in verschiedenen Zeiten und Räumen spielen.

Parallel ist von der Zusammenarbeit mit anderen Lebensformen geprägt. Die Arbeit wurde für die Hefe und die menschlichen Besucher und andere Lebensformen geschaffen, ebenso wie für die Fliegen, die sie mit ihrem Geruch anzieht. Die Medieninstallation bietet somit einen Raum, in dem nicht-menschliche Akteure agieren.

Fotos: © Maria Capello


Maria Capello ist Kunstschaffende und Artistic Researcher und studiert derzeit Visuelle Kommunikation an der Universität der Künste Berlin. Die Künstlerin arbeitet an der Schnittstelle von Wissenschaft, Kunst und Design. Ausgehend von ihrem unmittelbaren Umfeld entfaltet Maria Capello in ihrer interdisziplinären Arbeit philosophische Fragen der Relationalität.

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The Non-Creation of Artworks

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The Non-Creation of Artworks

To deny that an artist does art would be absurd. To deny that an artist does art by making artworks, however, is possible. First of all, artworks or works of art may be not only physical, but performative. In that sense, to be a non-creator-of-artwork artist would imply either the rejection of the artwork or the non-creation of it. An artist could reject his or her production as art. An artist could avoid making art by never delivering its final result or by attributing it to others. This last possibility defines my artistic practice.

I am a collaborative artist not because I create collaborative artworks, but because I engage in collaborative creations that in the end cannot be attributed to me. Final creations could only be attributed to the collective artistic processes that I promote, not even the collective as a determined group, given that it changes constantly and becomes an entity whose I belong to, but it is not me.

In that sense, I reject the question “do you create works of art?” by not attributing the result to myself, letting the collaborative process become the final representative of any result that may be deemed to be called “art”. In a way, even not doing nothing at all could be seen as a vital performance and thus a work of art. To that end, I am not the one to judge what could be art or not, as it depends of multiple poles. I can, however, identify the pole from which I stand by promoting collaborative art.

To explain my artistic approach, it is necessary to use the theory of diamonds from the realm of aesthetics. Following Nicolai Hartmann, since the beautiful, for its essence itself, is always related to an intuitive subject, there are, from the beginning, two possible directions to follow: it can be done from the object aesthetic the matter of the analysis or from the act whose object is. Both axes are subdivided. As regards the object, its structure and way of being or its aesthetic character can be investigated, and thus also the analysis of the act can be directed to the receptive act of the beholder or to the producing act of the creator. In that sense, I only exemplify one pole of the theory, represented by the artist. However, in my situation, “artist” should be substituted by “collective creation”, loosing even that first pole its creation-based properties.
Then, what the collective may generate, may or not be deemed as art by the receptors, but that would be only part of the subjective spectrum of the artistic process of interaction, and so it is not definitive to attribute any character to the pole represented by the collective.

Beyond that question a second one is “how do you do art?”. Based on that theory of diamonds, the interaction between creators and receptors is mediated by the object. This object, from the discipline of aesthetics, is simultaneously a structure and a compound of values. The structure depends directly from the creator, but values are already there. No artist can properly produce values, he or she or, in my case the “collective process”, can match them, see them. Values are, then, a co-generator of the artistic result.
My artistic practice, in that sense, focuses on generating the collaborative art scenes where current values may be discussed and put in place, which later on originates a result that does not belong to any of the participants. Contrary to the individualistic and genius-based current contemporary trends of competition, I am focused on the mere values of organizing collectives to reflect and take action, as a way of doing art irrespectively of the result, if it becomes real in the end.

I naturally boost artistic processes around values that co-exist with us, tensioning them through the mixture of different artistic disciplines. I tend to not become more than the catalyst of artistic action, embracing the processes for their inner virtues and the benefits they bring to society (solidarity, reflection, empathy or equality, for example).

As poetry bases my approach when setting up collaborations, I am considered an emerging visual artist or visual poet, and that is what the receptor-based media shows (Instagram, Webpages, Twitter). The reception pole. However, as I could not project my statement in that fora, given its uselessness against utilitarian media, I look for new forms of exhibition and collaboration contexts where I can share this unconventional artistic approach, beyond the commercial and marketing-based hierarchy of art that affects us all.
Future art will require re-understanding art as a collective endeavour for which cooperation is essential, through the integration of artistic disciplines, incorporating technology to both the techniques and the content of production, not creation. The morality of artistic means, which justifies the result, and not vice versa. Artists as non-public curators.

That will lead us to the present debate about the future ways of collaboration that we want to achieve by living as if art required no artworks.


A Brussels-based Spanish artist, Manuel Delgado is a visual poet. He aims to develop expansive and innovative modes of writing about, with and as art by integrating poetry with other disciplines. After studying Law and Political Science and completing an MA in International Relations at the Spanish Diplomatic School in Madrid, Manuel pursued another MA in European Political Studies at the College of Europe in Bruges. In that sense, Manuel is an outsider collaborative artist.

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OPEN CALL (archiviert)

ex_hibition, ex_periment, ex_pert*innen, ex_kurs, ex_ergie […]

Das INTER- Netzwerk [das intersemble] sucht junge Idealistinnen, Wissenschaftlerinnen, Künstlerinnen, Spekulantinnen, Autorinnen und andere Querulantinnen, die ihre Visionen für neue Formen der Zusammenarbeit in der Kunst- und Ausstellungspraxis teilen.

Wie wollen wir in Zukunft arbeiten? Wie sehen innovative Arbeitsmodelle für die Kunst- und Ausstellungspraxis aus? Welche neuen Berufsbilder müssen entwickelt werden? Wie können neue Formen der Kollaboration aussehen und welche künstlerischen Potenziale entstehen daraus?

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