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Die Suche nach den Dingen

Die Installation DIE SUCHE NACH DEN DINGEN ist für den Dom in Münster entworfen und kontextualisiert sich in dessen Architektur und der damit verbundenen Liturgie. Sie verwendet Licht, welches einen symbo- lisch aufgeladenen Bestandteil der Kirche darstellt und ist an einer spannungsreichen Stelle verortet – dem Gewölbeabschlussstein über dem Westwerk.

Nach dem Krieg wurde das Westwerk, an dem sich ursprünglich der Eingang zum Kirchenraum befand, als Hochaltar neu aufgebaut. Hier liegt nun in einer Achse der Schlussstein W35 in einer Achse über der Krypa wo die Bischhöfe begraben sind. Hier findet heutzutage das Abendgebet statt, bei dem Leihen ihre Fürbitten vortragen. Der Gewölbeabschlussstein vereint sowohl profane als auch sakrale Komponente: in architektoni- scher Hinsicht ist er ein besonderes Element indem er das Gewölbe vollendet und es zum tragen bringt. Dar- über hinaus übernimmt er verschiedene liturgische Aufgaben und ist von hoher idiologischer Bedeutung.
Eine Maschine wird von oben auf den Schlussstein befestigt. Sie bewegt einen grellen Leuchtstab vom Inneren des Dachstuhls durch ein vorhandenes Loch im Gewölbeabschlussstein in den Innenraum der Kirche. Der tageslichtweiße Leuchtstab steht im Kontrast zum warmweißen Beleuchtungskonzept des Doms. In einer sehr langsamen Bewegung dringt der Leuchtstab innerhalb von 15 Minuten um 2 Meter in den Kirchenraum ein und braucht erneut 15 Minuten um wieder vollständig zu verschwinden. Während des Abendgebetes, also dem Moment an dem den Leihen der größte Fokus gilt erzeugt es dabei einen irritierender Moment: Das Licht verschwindet in einem nicht einsehbaren (Über-)Raum.

*Für dieses Projekt beschäftigte ich mich mit den unsichtbaren Zwischenräumen der Kirche. Bei einer Ortsbesichtigung mit einer größeren Gruppe stieß ich leider nicht auf so einen Ort. Mir wurde klar, dass niemand den architektonischen Raum besser kennt, als der Hausmeister. Ich kam also immer wieder dorthin und sprach mit ihm über die Räume und seinen Alltag darin. Nach einigen Treffen offenbarte er mir (neben einer riesigen Lüftungsanlage), dass es Treppen innerhalb der dicken Kirchenmauern gibt, über welche man in den Dachstuhl gelange. Neben dem gesuchten Zwischenraum fand ich hier Relikte von Pausen––einen Stuhl oder Zigarettenstummel. Mir wurde klar, dass ich einen privaten Ort betreten hatte. Ich stellte mir vor, wie der Hausmeister ruhesuchend zwischen den riesigen Gewölbeoberseiten verschwindet und im Konglomerat des Doms unsichtbar wird.

Die Funktion der Maschine existierte noch nicht––zusammen mit einem Programmierer musste ich diese erfinden und bauen. Sein Wissen von Programmierung ergänzte sich mit meiner handwerklichen Fähigkeit zum Bauen. Wir führten viele Gespräche um die Denkstrukturen des Anderen zu verstehen und darauf aufbauend möglichst genau die Maschine zu bauen––am Ende erhielt die Maschine sogar ein TÜV-Zertifikat.


Nach einem Studium der Architektur nahm Moritz Riesenbeck ( geboren 1991) das Studium der Freien Kunst auf. Derzeit studiert er an der Kunstakademie Düsseldorf in der Klasse von Gregor Schneider. Riesenbeck schafft ortsbezogene Interventionen, für die er interdisziplinär arbeitet und auf verschiedene Medien zurückgreift. Seine Aufmerksamkeit gilt der Spezifität dieser Orte und deren physischer, sozialer und politischer Vernetzung.